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Divitz, Herrenhaus - Bettina Klein übergibt Gutshofmarkterlös zur Haussicherung - August 2012

Schloss Divitz - eine historische Ansicht aus besseren Tagen ...

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Die Zeit drängt, denn das Dach ist undicht, hat Löcher, es regnet rein. »Geht Divitz verloren, haben wir in der Region einen erheblichen Teil an Identität verloren. An Divitz kann man sehr deutlich die Geschichte der Region in ihrem Facettenreichtum ablesen. Es ist ein hohes herausragendes Kulturgut, das nicht aufgegeben werden darf und dessen kulturhistorische Bedeutung im Vergleich zu anderen Herrenhäusern ungleich größer ist«, sagt Bettina Klein. Divitz präge mit die Vorstellung nachfolgender Generationen von Kulturgütern.

Wie schwer es ist, ein Herrenhaus vor dem Verfall zu bewahren und wieder aufzubauen samt Nutzungskonzept weiß die Kunsthistorikerin aus eigener Erfahrung. 1998 erwarb sie das Gutshaus Hessenburg samt Gutspark und den einstmals dazugehörigen Wirtschaftsgebäuden und baut es seitdem wieder auf. Aus ihrer Sicht ist Hessenburg ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit der Akteure vor Ort mit dem Amt Barth und dem Landkreis. »Ich habe erlebt, dass mit der Hilfe der Kommunalpolitik sehr viel erreicht werden kann. Divitz hingegen ist eine Dimension größer. Ohne das Land werden das Amt und der Landkreis allein nichts steuern können. Doch Schwerin hat bisher nicht geholfen. Die Landesregierung sieht nicht, für welche bedeutende kulturhistorische Identität Divitz steht«, sagt sie und findet es sehr bedauerlich, dass sich die Überlegungen bezüglich einer Landesstiftung für notleidende Herrenhäuser und Schlösser augenscheinlich zerschlagen haben. »So wie es aussieht, müssen wir uns jetzt um das Herrenhaus Divitz selbst kümmern. Nach Dorfgemeinschaftshaus und Dorfstraße die letzte große Aufgabe der Gemeinde in Divitz«, so Bürgermeister Christian Haß.

Doch die Gemeinde hat ein unüberwindliches Problem. Sie kann das Herrenhaus selbst nicht erwerben, da ihr die notwendige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit fehlt. Eine Bedingung aber für den Erwerb durch sie. Doch ist die öffentliche Hand nicht Eigentümerin des Objekts, können auch keine Fördergelder beantragt werden. Und so beißt sich der sprichwörtliche Hund in den Schwanz und blickt man von Divitz aus zum Landkreis. Dort hält man sich bedeckt. Bettina Klein: »Die beste Lösung wäre die Stiftung gewesen. Divitz ist kein Luftschloss. Es gibt längst Gedanken für eine realisierbare Nutzung und zwar in Form eines Zusammenschlusses mehrerer Nutzungsmöglichkeiten und Investoren mit kleinem Hotel, Restaurant, Biergarten und musealen Teil. Auch wäre dort Raum für Projekte und Workshops von Schulklassen. Würden wir es gemeinsam schaffen, wäre es beispielgebend.« Ein Konzept zur Erhaltung und künftigen Nutzung liegt im Landkreis seit 2009 vor. Darin wird Divitz als »Denkmal von nationaler Bedeutung« bezeichnet, das noch zu retten sei. Um einen Beitrag für die Sicherung des Herrenhauses Divitz zu leisten, spendete Bettina Klein jetzt die Einnahmen ihres 1. Gutshofmarktes Hessenburg. Das Geld übergab sie an Bürgermeister Haß. Dieser hofft nun, dass es ein Anstoß für andere ist, sich ebenfalls für Divitz zu engagieren. »Ich hoffe, dass es uns mit solchen Zeichen und Aktionen pro Herrenhaus Divitz gelingt, an anderer Stelle wahrgenommen zu werden.«, sagt er. Wobei Christian Haß froh ist, dass Ingolf Stein vor Ort am Schloss »die Stellung hält«. Dieser war 2001 nach Divitz gekommen, um das Haus wieder aufzubauen. Doch es gelang ihm nicht. Er wohnt in einem Nebengelass. »Das Schloss zieht viele Besucher an. Wer weiß, wie es dort aussehen würde, wenn Ingolf Stein nicht vor Ort samt Bauzaun wäre. Nähme jeder auch nur einen alten Stein mit, wäre vom Herrenhaus schon jetzt nichts mehr da«, so Christian Haß.

Spenden für das Divitzer Herrenhaus können unter dem Stichwort »Schloss Divitz« mit der Kontonummer 663, Bankleitzahl 15050500 eingezahlt werden. hai

Herrenhaus Divitz

Das Herrenhaus Divitz ist eine der bedeutendsten Wasserburgen im gesamten norddeutschen Raum. Ritter Conrad von Krakevitz (1496-1542) soll den ältesten Teil des Wohnhauses errichtet haben. Es handelt sich um die Reste eines Wohnturms. Die von einem breiten Graben umgebene Burg ist aber bereits im frühen Mittelalter nachgewiesen. Möglicherweise schon in slawischer Zeit als Wehranlage angelegt, ist die Burginsel spätestens seit dem 13. Jahrhundert Sitz feudaler Grundherren. Das Herrenhaus selbst ist Zeugnis für den Darstellungswillen, die Wohn- und Repräsentationskultur adliger Grundbesitzer. Ausstattungen und Veränderungen im Grundriss dokumentieren den Wandel derartiger Ansprüche und Bedürfnisse. Dass von 1706 bis 1945 alle Besitzerwechsel nur über die Erbfolge stattfanden, sorgte für eine Kontinuität in der wirtschaftlichen Entwicklung des Gutes und der baulichen Entwicklung des Hauses. Das Schloss Divitz ist ein gewachsener Bau. So stammt der zweigeschossige Nordflügel noch aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts im Stil der Renaissance. Im 18. Jahrhundert fand der Umbau des Herrenhauses im barocken Stil statt. Der Bau des langgezogenen Ostflügels mit zwei Portalen wird auf 1729 und 1743 datiert. Aus dieser Zeit stammen auch die beiden Wappen der Familie von Lilienstedt und von Krassow über den Türen. Seit Anfang der 90er-Jahre steht es leer. hai

Quelle: Claudia Haiplick, Ostseezeitung im Lokalteil Ribnitz-Damgarten 08/12