Kulturkalender, 26. September 2010
Das besondere Restaurant
Die Alte Schmiede – rustikal und elegant im unbekannten (Bodden)Land
Der Himmel führt heute ein Fest auf. Wolken in allen Formen ziehen über den Bodden und ein Regenbogen legt sich eindrucksvoll über das Land.
Der Wind frischt auf und lädt die Segelboote, die im kleinen Hafen von Neuendorf liegen, zu einem letzten Törn vor demWinter Richtung Fischland- Darß ein.
Hier am südlichen Ende der Boddenküste spürt man noch die herbe, natürliche Schönheit Vorpommerns.
Fast keine Hotels und Pensionen rücken den Ortschaften zu Leibe. Sieht man einige der alten, liebevoll restaurierten Häuser, meint man die Zeit hat hier einen anderen Gang. Wenige Autominuten vom ehemaligen Fischerhafen liegt Hessenburg. Hier inmitten des historischen Gutsensembles besuchen wir das Restaurant »Alte Schmiede«.
Während das Gutshaus noch revitalisiert werden muss, ist die ehemalige Schmiede seit geraumer Zeit mehr als ein Geheimtipp. Das kleine Lokal empfängt uns mit einem offenen Feuer, das hier an die Zeiten erinnert, als dieses alte Handwerk des Schmiedens noch täglich gebraucht wurde. Ein riesiger Blasebalg und allerlei Werkzeuge verstärken den atmosphärischen Eindruck.
Nur ein Dutzend Tische fasst das Lokal, das uns auch an einen guten Guts-Pub in Irland erinnert. Doch während man sich dort in der Regel mit Chips
und Guinness begnügen muss, spielen in der Alten Schmiede die Speisen eine zentrale Rolle.
Als Gruß aus der Küche gibt es selbstgebackenes Brot mit Schmalz, dazu folgt wenig später eine feine Suppe vom Kürbis (3,50 Euro). Die Vorspeise erfüllt alle Ansprüche des durch den Herbstwind hungrigen Gastes. Aromatisch gekocht und heiß serviert ist das durchaus ein gelungener Start.
Klein, überschaubar ist die Speisekarte. Das ist sicher kein Nachteil, so wird alles frisch bereitet und natürlich legt man Wert auf regionale Produkte.
Die geschmorte Beinscheibe mit Wurzel- Kartoffelgemüse (12,50 Euro) scheint uns dafür ein gutes Beispiel für engagierte regionale Küche. Gut
bereitet das Fleisch, die Beilagen auf den Punkt gegart. Das ist aromatisch und schmackhaft. Dazu passt der Rotwein aus Apulien/Italien (Neprica
Rosso, 0,2 l 6,80 Euro). Auch der Zander auf der Haut gebraten mit Spitzkohl-Gemüse und Kartoffelschinkentörtchen (13,50 Euro) erfüllt unsere
Erwartungen, wenn auch hier das junge Küchenteam vielleicht etwas sanfter würzen sollte. Der deusche Riesling (Empfehlung der charmanten Chefin) passt hervorragend zum Gericht. Alle Weine des Restaurantswerden auch offen gereicht (zwischen 4,10 Euro und 6,80 Euro) und haben eine gute Qualität.
Bezaubernd ist der Blick aus dem Fenster. Wieder meint man, die Zeit steht. Während vor dem Gutshof zwei prächtige Pferde auf der Koppel miteinander raufen und rennen, die Abendsonne alles in eine fast unwirkliche Stimmung taucht, kommt ein Gespann mit einem Schimmel vorbei. Pippi Langstrumpf in Vorpommern? Leider nein. Es ist auch nicht der Dorfschmied. Den gibt es nicht mehr. Aber vieles erinnert hier an früher.
Trotzdem ist es gut, dass Mann/Frau angefangen hat, den Schlaf von Hessenburg zu beenden.
PS: Einfach und köstlich war das Dessert: Pflaumenkompott aus Omas Zeiten mit Vanilleeis. Himmlisch!
PPS: Von Neundorf fährt nun eine Barkasse rüber zum Darß. So könnte man im angeschlossenen Kutscherhaus in der Ferienwohnung übernachten und beides haben: Die Ursprünglichkeit der südlichen Boddenküste und Fischland-Darß mit seinen Museen, den Wäldern und dem Meer. Das ist ideal für den Gast mit Fahrrad.
Quelle: kulturkalender - Unterwegs in Mecklenburg-Vorpommern, Herausgeber: KLATSCHMOHN Verlag, Druck + Werbung GmbH & Co. KG